Ausbildungskosten


Nach dem erfolgreichen Abschluss der Schulzeit stellt sich für die meisten Schulabgänger mit Hinblick auf die berufliche Zukunft die grundlegende Frage: Soll ich eine Berufsausbildung anfangen oder lieber ein Studium aufnehmen? Nachdem diese – oftmals bereits schwierige – Frage geklärt ist, lohnt es sich ebenfalls einen Blick auf die steuerrechtliche Behandlung der regelmäßig entstehenden Aufwendungen für diese Erstausbildung zu werfen.

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Berufliche Erstausbildung

Der Gesetzgeber sieht aufgrund der aktuell gültigen Rechtsvorschriften vor, dass es sich bei den Aufwendungen für die eigene berufliche Erstausbildung – unabhängig davon, ob diese Aufwendungen im Rahmen einer Berufsausbildung oder eines Erststudiums anfallen - um Sonderausgaben handeln soll, welche jährlich bis zu einem Höchstbetrag i. H. v. 6.000 € abzugsfähig sind. Aufgrund dieser gesetzlichen Vorgabe scheidet eine Berücksichtigung dieser Aufwendungen als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben momentan aus.

Eine unmittelbare Berücksichtigung solcher Aufwendungen als Werbungskosten sieht der Gesetzgeber dagegen für die Fälle vor, bei denen die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Hierunter fällt zum Beispiel das Referendariat zur Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen oder aber Beamtenanwärter in Kommunal-, Landes- oder Bundesbehörden.

Nun könnte man der Meinung sein, dass der steuerrechtlichen Berücksichtigung von Ausbildungskosten grundsätzlich nichts im Wege steht – allerdings bedeutet die gesetzliche vorgegebene Einstufung als Sonderausgaben für die meisten Auszubildenden bzw. Studenten letztlich, dass sich deren Aufwendungen für eine Erstausbildung ertragsteuerrechtlich nicht auswirken. Warum das so ist, versteht man erst, wenn man etwas tiefer in die Systematik des Einkommensteuerrechts eintaucht.

Systematik der Einkommensbesteuerung

Bevor auf das zu versteuernde Einkommen der individuelle Einkommensteuersatz angewendet werden kann, bedarf es zuvor einer mehrstufigen Ermittlung des Einkommens. Nachfolgend ein vereinfachter Überblick:

1. Stufe Summe der Einkünfte Aufsummierung der einzelnen Einkunftsarten:
a) Gewinn (Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben) bei Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbständiger Arbeit
b) Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten, zB. bei Arbeitnehmertätigkeit
2. Stufe Gesamtbetrag der Einkünfte Die ermittelte Summe der Einkünfte wird um folgende Positionen gekürzt:
  • Altersentlastungsbetrag
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • Abzug nach § 13 Abs. 3 EStG
3. Stufe Einkommen Der Gesamtbetrag der Einkünfte wird um folgende Positionen gekürzt:
  • Sonderausgaben
  • Außergewöhnliche Belastungen
4. Stufe Zu versteuerndes Einkommen Das Einkommen wird um folgende Positionen gekürzt:
  • Kinderfreibetrag
  • Sonstige Abzüge vom Einkommen

In der Regel wird es so sein, dass die jeweilige Person im Rahmen Ihrer beruflichen Erstausbildung – insbesondere beim Absolvieren eines Studiums - keine Einnahmen erzielt, dafür jedoch erhebliche Aufwendungen hat. Unter Berücksichtigung der oben dargestellten Systematik kann daher festgehalten werden, dass eine solche Person über keine Einkünfte verfügt, sodass sich die Summe der Einkünfte auf 0 € beläuft. Bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte kann sich grundsätzlich keine betragsmäßige Erhöhung ergeben, da hier lediglich gewisse Freibeträge etc. zum Abzug zugelassen sind. Erst bei der Bestimmung des Einkommens werden die Ausbildungskosten als Sonderausgaben betragsmäßig berücksichtigt. Im Regelfall liegt sodann ein negatives Einkommen vor, sodass letztlich eine Einkommensbesteuerung unterbleibt. Als Ergebnis kann somit festgehalten werden, dass sich hier die Ausbildungskosten als Sonderausgaben wirtschaftlich nicht für die jeweilige Person ausgewirkt haben, da insoweit keine Steuererstattung bzw. Steuerreduzierung für diese Person generiert werden konnte.

Ein ganz anderes Bild würde sich letztlich ergeben, wenn der Gesetzgeber eine Berücksichtigung dieser Aufwendungen bei der Ermittlung der Einkünfte – denkbar als Betriebsausgaben oder Werbungskosten – zulassen würde. Denn hierdurch würden letztlich mangels Einnahmen negative Einkünfte generiert werden, die im Rahmen einer Verlustfeststellung zeitlich unbeschränkt für die jeweilige Person eingefroren werden. Sofern diese Person nach Abschluss ihrer Berufsausbildung in den nachfolgenden Jahren erstmals Einnahmen erzielt und damit vermutlich auch insgesamt über positive Einkünfte verfügt, kann der Verlustvortrag aus den Vorjahren mit den nunmehr vorliegenden positiven Einkünften verrechnet werden. Hierdurch wird letztlich eine betragsmäßige Reduzierung des zu versteuernden Einkommens erreicht und zudem eine erhebliche Reduzierung der Einkommensteuer.

Da die oben dargestellte Verlustfeststellung lediglich negative Einkünfte berücksichtigt (Stufe 1) und dagegen nicht ein negatives Einkommen (Stufe 3), kommt hier der Einstufung von Aufwendungen im Zusammenhang mit der Berufsausbildung als Werbungskosten / Betriebsausgaben oder Sonderausgaben erhebliche Bedeutung zu.

Wann liegt eine Erstausbildung vor?

Eine Erstausbildung kann entweder im Rahmen einer erstmaligen Berufsausbildung oder im Rahmen eines Erststudiums erfolgen.

Zur Berufsausbildung zählen unter anderem:

  • Berufsausbildungsverhältnisse im Sinne des Berufsbildungsgesetz (BBiG) sowie anerkannte Lehr- und Anlernberufe oder vergleichbare Ausbildungsberufe aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des BBiG und vergleichbare betriebliche Ausbildungsgänge außerhalb des Geltungsbereichs des BBiG
  • die Ausbildung aufgrund der bundes- oder landesrechtlichen Ausbildungsregelungen für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen
  • landesrechtlich geregelte Berufsabschlüsse an Berufsfachschulen
  • die Berufsausbildung in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis

Eine Erstausbildung wird gemäß § 9 Absatz 6 Einkommensteuergesetz (EStG) nur anerkannt, wenn eine geordnete Ausbildung mit einer Mindestdauer von 12 Monaten bei vollzeitiger Ausbildung und ggfs. mit einer Abschlussprüfung absolviert worden ist.

Ein Erststudium liegt vor, wenn es sich um ein Studium an einer Universität, an einer pädagogischen Hochschule, an einer Kunsthochschule, an einer Fachhochschule oder an einer sonstigen Einrichtung des Bildungswesens handelt, die nach Landesrecht staatliche Hochschulen sind. Darüber hinaus werden noch weitere Bildungseinrichtungen gleichgestellt und entsprechend anerkannt – hier bedarf es letztlich einer individuellen Prüfung. Ein Studium, welches an einer der oben genannten Einrichtungen absolviert wird, stellt dann ein erstmaliges Studium dar, wenn es sich um eine Erstausbildung handelt – das bedeutet, dass diesem Studium kein anderes durch einen berufsqualifizierenden Abschluss beendetes Studium oder keine andere abgeschlossene nichtakademische Berufsausbildung vorangegangen sein darf.

Berücksichtigungsfähige Aufwendungen

Zu den berücksichtigungsfähigen Aufwendungen für eine Berufsausbildung gehören letztlich alle Kosten, die durch die beruflichen Bildungsmaßnahmen veranlasst sind – hierunter zählen zum Beispiel:

  • Aufwendungen für den Besuch von Berufs-, Fach- und Fachhochschulen sowie von Universitäten
  • Studien-, Seminar-, Tagungs- und Lehrgangsgebühren, Aufwendungen für Einzelunterricht und Repetitorien sowie Aufwendungen für Lernmaterial
  • Vorbereitungs-, Zulassungs-, Abschluss- und Prüfungsgebühren
  • Aufwendungen für Fachliteratur und andere Arbeitsmittel, insbesondere für die Anschaffung eines PC, soweit dieser für die Berufsausbildung genutzt wird
  • Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer
  • Die Kosten für eine auswärtige Unterbringung

Ist die derzeitige Einstufung als Sonderausgabe rechtlich zutreffend?

Aufgrund der oben dargestellten Systematik mag für den ein oder anderen nun sicherlich der Eindruck entstanden sein, dass sich die Geltendmachung von Aufwendungen für eine Erstausbildung im Rahmen einer Einkommensteuererklärung letztlich nicht lohnt, da deren Einstufung als Sonderausgaben mangels relevanter Einkünfte zu keiner Steuerentlastung führt. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Bundesfinanzhof (BFH) bereits im Rahmen mehrerer Beschlüsse die aktuelle gesetzliche Regelung als verfassungswidrig eingestuft hat – daher sind aktuell mehrere Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) anhängig. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat daher angeordnet, dass sämtliche Einkommensteuerveranlagungen insoweit vorläufig erfolgen – dies bedeutet, dass dem jeweiligen Einkommensteuerbescheid ein Vorläufigkeitsvermerk beigefügt wird. Sollte das Bundesverfassungsgericht eine für den Steuerbürger positive Entscheidung treffen, können demnach sämtliche Einkommensteuerveranlagungen noch einmal zu Gunsten des jeweiligen Steuerpflichtigen geändert werden. Da die Einkommensteuerveranlagungen bereits jetzt nur noch vorläufig erfolgen, bedarf es insoweit keines weitergehenden Tätigwerdens seitens des Steuerpflichtigen – es muss also insbesondere kein Einspruch gegen den jeweiligen Einkommensteuerbescheid eingelegt werden.

Somit kann festgehalten werden, dass trotz aktueller Einstufung als Sonderausgabe dringend zur Erstellung und fristgerechten Einreichung einer Einkommensteuererklärung geraten werden muss. Hierbei sind wir Ihnen selbstverständlich gerne behilflich.

Zweitausbildung sowie Fortbildungskosten

Aufwendungen für eine Erstausbildung sind steuerrechtlich unbedingt von Aufwendungen zu unterscheiden, die nach erfolgreicher Absolvierung einer Erstausbildung für eine Zweitausbildung oder eine Fortbildung anfallen:

  • Als Fortbildungskosten werden danach Aufwendungen angesehen, die dem Zweck dienen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Beruf zu erhalten, zu erweitern oder den sich ändernden beruflichen Anforderungen anzupassen
  • Ist einer weitergehenden Bildungsmaßnahme – zum Beispiel Zweitstudium oder ein Studium nach Abschluss einer Berufsausbildung - eine berufliche Erstausbildung vorausgegangen, handelt es sich bei diesen Aufwendungen um Betriebsausgaben oder Werbungskosten, sofern ein gewisser Zusammenhang mit später steuerpflichtigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit besteht


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