Ausbildungskosten im Steuerrecht

Jeder hat gerne etwas, das er in seiner Steuererklärung absetzen kann. Und das deutsche Steuerrecht sieht auch einige Annehmlichkeiten vor. Da muss man sich nur auskennen. Grundsätzlich steht zumindest dem Abzug von Ausbildungskosten nichts im Wege. Und das geht so:

Ausbildungskosten – das erste Mal

SteuerberaterFindet eine erste Ausbildung oder ein erstes Studium statt, können die Ausbildungskosten als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Das geht bis zu einer Höhe von 6.000 Euro jährlich.

Ausbildungskosten können sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen. Das sind zB. Fahrtkosten für die Wege zum Lehrherrn, zur Berufsschule oder zur Universität, fachspezifische Bücher, kostenpflichtige Aufbaukurse, Lernmaterial, Immatrikulationsgebühren, Computer, Arbeitszimmer usvm. Einziges Manko: Häufig gibt es zu Zeiten der ersten Ausbildung oder des Erststudiums kein nennenswertes Einkommen, sodass die Ausbildungskosten ins Leere gehen. Denn bereits ohne die Ausbildungskosten entsteht keine Einkommensteuer, weil das Einkommen so gering ist.

Beispiel für den Ansatz von Ausbildungskosten für eine Erstausbildung: Marianne hat nach der Schule zunächst im Einzelhandel ihrer Eltern ausgeholfen, dann hat sie nach der Heirat die Kinder groß gezogen. Als die aus dem gröbsten heraus waren, hat sie im Einzelhandel ihres Mannes mitgeholfen. Nun hat sie mit einer Heilpraktikerausbildung begonnen. Die Kursgebühren belaufen sich auf 4.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen Bücher sowie Fahrtkosten zu den Kursen und zu Lerngemeinschaften. Die Gesamtkosten für die Ausbildung belaufen sich damit auf 5.000 Euro. Diese kann sie im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung (bis zu 6.000 Euro) als Sonderausgaben geltend machen.

Ausbildungskosten – das zweite Mal

Kosten für eine zweite Ausbildung oder ein zweites Studium können unbeschränkt als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben berücksichtigt werden.

Als erstes stellt sich natürlich die Frage: habe ich bereits eine erste Ausbildung absolviert und abgeschlossen? Genügt ein zweiwöchiger Kurs für eine Sicherheitsangestellte am Flughafen, der als erste Ausbildung anerkannt wird?

Die Frage was eine richtige Erstausbildung im steuerlichen Sinne ist, ist nicht ganz einfach. Während die Finanzverwaltung davon ausgeht, dass die Erstausbildung im Rahmen öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgangs mit einer Abschlussprüfung stattfindet, forderte das Finanzgericht Münster mehr. Es wollte eine Ausbildungszeit von mindestens zwei Jahren. Der Bundesfinanzhof hat geklärt, dass auch eine sechsmonatige Ausbildungszeit für eine Flugbegleiterin als Erstausbildung ausreicht. Denn auch diese – verhältnismäßig kurze Ausbildung – befähigt die Flugbegleiterin zur Erzielung von Einkünften und hat ihr Berufswissen beschert. Im Zweifel – wie bei dem zweiwöchigen Kurs der Sicherheitsangestellten auf dem Flughafen – ist aber Streit mit dem Finanzamt vorprogrammiert.

Kommen Sie zu dem Schluss, dass sie sich in einer zweiten Ausbildung oder einem zweiten Studium befinden, sollte Sie auf jeden Fall eine Einkommensteuererklärung einreichen. Selbst wenn Sie kein Einkommen haben. Denn diese Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben führen dann zu negativen Einkünften. Sofern diese nicht mit positiven verrechnet werden können, werden diese vorgetragen. Haben Sie dann Ihr Studium oder Ihre zweite Ausbildung abgeschlossen und verdienen Geld, können Sie die entstandenen negativen Einkünfte verrechnen lassen. So kommen Sie zumindest später in den Genuss die Ausbildungskosten absetzen zu können.

Beispiel für den Ansatz von Ausbildungskosten für eine zweite Ausbildung: Marianne hat nach der Schule eine Ausbildung zur Krankenpflegerin gemacht. Das Geld für ein Arztstudium konnte sie nicht aufbringen. Nachdem sie geheiratet hat und die Kinder aus dem gröbsten raus sind, hat sie ein Medizin-Studium begonnen. Sie kann die Ausbildungskosten, wie die Immatrikulationsgebühren, Bücher, Fahrtkosten zur Universität usw. als Werbungskosten absetzen. Da ihr Mann positive Einkünfte hat, kommen ihr die Ausbildungskosten auch direkt zugute. Sie können mit den positiven Einkünften ihres Mannes verrechnet werden.

Kinder in der Ausbildung

Viele Ausbildungen und Studiengänge beginnen direkt im Anschluss an die Schulzeit, also zB. nach der mittleren Reife oder dem Abitur. Die meisten Auszubildenden und Studenten treten dann zum ersten Mal in das Arbeitsleben ein und kommen direkt aus dem Elternhaus. Im steuerlichen Sinne sind sie so oder so bis sie 18 werden „Kinder“. Begeben sich die Kinder direkt im Anschluss an die Schulausbildung in eine Berufsausbildung oder in ein Studium bleiben sie auch im steuerlichen Sinne Kinder. Damit können die Eltern weiterhin Kindergeld beziehen und in der Einkommensteuererklärung noch einen Ausbildungsfreibetrag für ihre Kinder geltend machen, genauso wie Freibeträge für die auswärtige Unterbringung. Also wenn das Kind nicht mehr zu Hause wohnt, weil sich der Studienplatz in der 250 km entfernten Stadt befindet. Diese Freibeträge sind jedoch festgelegt und für alle Eltern gleich. Es ist also egal ob das Kind an einer staatlichen Hochschule studiert oder an einer teuren Elite-Universität in Britannien. Beim Schulgeld ist das anders. Solange sich die Kinder in der allgemeinen Schulausbildung befinden, kann das Schulgeld für anerkannte Ersatzschulen zu 30% abgesetzt werden.

Ist das Kind kein Kind im steuerlichen Sinne mehr, zB. weil es nach der Schule erst einmal 18 Monate durch Australien getingelt ist oder weil es die Ausbildung abgebrochen hat und sich erstmal finden musste oder weil es keinen Studienplatz bekommen hat oder schlicht und einfach weil es zu alt ist (älter als 25 Jahre), besteht die Möglichkeit Berufsausbildungskosten für das Kind abzusetzen. Das gilt für jede unterhaltberechtigte Person, also zB. auch die Eltern. Hier können Ausbildungskosten bis zu 8.354 Euro abgesetzt werden. Allerdings darf der Unterhaltsberechtigte dann kein Vermögen hat und nach Möglichkeit auch keine eigenen Einkünfte bzw. nur geringe Einkünfte. Denn die eigenen Einkünfte des Kindes werden dann gegen die absetzbaren Ausbildungskosten gerechnet.

Diskussionen zu Thema Ausbildungskosten

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